Ist hoher Blutdruck in der Nacht gefährlich?

Last Reviewed: 23 Mai 2022

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Ist hoher Blutdruck in der Nacht gefährlich?

Da Bluthochdruck, auch Hypertonie genannt, schwerwiegende Erkrankungen nach sich ziehen kann, wird Betroffenen empfohlen, ihren Blutdruck regelmäßig zu kontrollieren. Dies sollte man immer zur gleichen Uhrzeit tun, da der Blutdruck tagsüber Schwankungen unterliegt. Man spricht dabei von einem Tagesrhythmus der Blutdruckwerte. Schon vor dem Aufwachen steigt der Blutdruck ständig an. Zwischen acht und neun Uhr morgens gibt es einen ersten Höhepunkt und kurz nach Mittag ist ein Abfall der Werte festzustellen. Am späten Nachmittag zwischen vier und sechs Uhr zeigt sich ein zweiter Höhepunkt. Nachts hingegen sinkt der Blutdruck deutlich ab und erreicht seine niedrigsten Werte zwischen zwei und drei Uhr morgens.

Der Blutdruck erreicht in der Nacht Werte unter 120/70 mmHg, was etwa 10–20% niedriger ist als am Tag. Auch bei Menschen mit Bluthochdruck kommt es im Normalfall zu einem Absinken der Werte, aber bei schwerer Hypertonie kann dieser natürliche Blutdruckrhythmus abgeflacht oder sogar aufgehoben sein, das heißt, ihr Blutdruck sinkt in der Nacht nur wenig oder gar nicht. Diese Patienten werden „Non-Dippers“ genannt, im Gegensatz zu den „Dippers“, die einen konstanten Blutdruck-Rhythmus aufweisen.

„Non-Dipper“

Personen mit Bluthochdruck, die nachts keine 10- bis 20-prozentige Senkung des Blutdrucks aufweisen, bezeichnet man als „Non-Dipper“ (dip kommt aus dem Englischen und bedeutet hier “sinken” oder “abfallen”). Bei 17 bis 40 % der Patienten mit signifikanter Hypertonie zeigt sich ein ungewöhnlich hoher nächtlicher Blutdruck. Manchmal ist er während des Schlafs sogar höher als tagsüber, weil ein blutdrucksenkendes Medikament nur am Morgen eingenommen wurde und seine Wirkung im Laufe des Tages nachlässt.

Es gibt eine wachsende Zahl von Hinweisen, dass ein während der Nacht gleich hoher Blutdruck mit einer Schädigung von Organen einhergeht und zu einer erhöhten Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate führt. Mehrere klinische Studien haben festgestellt, dass die Organschäden bei hypertensiven „Non-Dippers“ schwerer sind als bei „Dippers“, möglicherweise aufgrund der praktisch ununterbrochenen Belastung des Herzens.

„umgekehrtes Dippen“

Wenn der Blutdruck nachts relativ zum Tagesniveau ansteigt, wird das Phänomen als „Umkehr-Dippen“ (engl: reverse dipping) bezeichnet. Erwachsene mit Diabetes, deren Blutdruck nachts ansteigt, haben ein mehr als doppelt so hohes Sterberisiko im Vergleich zu denen, deren Blutdruck während des Schlafs sinkt. Reverse Dipper sind meistens ältere Menschen, die wegen Bluthochdruck behandelt werden und Anzeichen einer durch Bluthochdruck verursachten Herzschädigung zeigen.

Forscher fanden in einer Langzeitstudie heraus, dass mehr als die Hälfte der Teilnehmer während der Nacht einen nicht-sinkenen Blutdruck hatten und 20 % davon Reverse Dipper waren. Fast ein Drittel dieser Reverse-Dipper hatte eine schwerwiegende Komplikation von Diabetes, bei der die Nerven geschädigt sind, die das Herz und die Blutgefäße steuern. Diese Nervenschädigung wirkt sich auf den Blutdruck und die Herzfrequenzregulation aus und erhöht das Risiko von Todesfällen und kardiovaskulären Ereignissen. Reverse Dipper zeigten ein mehr als zweifaches erhöhtes Sterberisiko im Vergleich zu Dippern, und ein 1,9-faches Risiko im Vergleich zu Non-Dippern, aber es fand sich keine signifikanten Unterschied im Sterblichkeitsrisiko zwischen Dippern und Non-Dippern.

Schlafhypertonie

Nächtlicher Bluthochdruck kann auch bei Menschen auftreten, deren Tagesblutdruck normal ist. Laut einer Studie, die in der Zeitschrift Circulation veröffentlicht wurde, leiden Menschen, bei denen im Schlaf Bluthochdruck festgestellt wurde, mit höherer Wahrscheinlichkeit an Herzinsuffizienz und anderen Formen von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Diese Studie aus Italien kommt zu dem Schluss, dass Teilnehmer mit nur nächtlichem Bluthochdruck eine ähnliche Sterblichkeitsrate zeigten wie “Nicht-Dipper”, also diejenigen, die 24 Stunden anhaltenden hohen Blutdruck hatten. Dieser gefährliche Zustand wird oft übersehen oder nicht diagnostiziert, da routinemäßige Blutdruckkontrollen fast immer tagsüber durchgeführt werden und 24-Stunden-Monitoring eher die Ausnahme ist.

Symptome von nächtlichem Bluthochdruck

Nächtlicher Bluthochdruck wird oft nur zufällig entdeckt. Schlafprobleme können darauf hinweisen, dass der Blutdruck über einen längeren Zeitraum zu hoch bleibt. Patienten, die unter hohem nächtlichen Blutdruck leiden, schlafen meistens schlecht, erwachen mehrmals und fühlen sich am Morgen nicht erholt. Sie leiden dann tagsüber an Müdigkeit und Schlafattacken.

Viele Menschen werden von Herzproblemen aus dem Schlaf gerissen, zum Beispiel von Druck auf der Brust, Herzrhythmusstörungen oder Herzrasen. Wird dann der Blutdruck gemessen, stellt man oft einen Bluthochdruck fest, der über 110/65 mmHg liegt, Diese Zahl empfehlen die Richtlinien von 2017 der American Heart Association (AHA) für das Management von Bluthochdruck für nächtlichen Blutdruck.

Mögliche Ursachen für nächtlichen Bluthochdruck

Die Aktivierung des sympathischen Nervensystems durch körperliche Aktivität, autonome Nervenstörungen, Schlafapnoe und schlechte Schlafqualität können zur Erhöhung des nächtlichen Blutdrucks beitragen.

Die Qualität des Schlafes wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Die Schlafqualität leidet, wenn man z.B. später am Tag Koffein oder Alkohol trinkt, während des Tages schläft, zu unregelmäßigen Zeiten schlafen geht, zuviel Zucker zu sich nimmt, zu spät am Abend trainiert oder schlechte Träume oder emotionale Konfrontationen wie einen Streit hat. Dem können Sie entgegenwirken, indem Sie jeden Tag zur gleichen Zeit schlafen gehen und aufstehen, Alkohol und Koffein vor dem Schlafengehen vermeiden, früher am Tag Sport machen und das Licht digitaler Geräte aus dem Schlafzimmer verbannen. Bei Angstzuständen sollte man professionelle Hilfe suchen, auch Meditation und Yoga können helfen, Stresssituationen und damit den Bluthochdruck besser unter Kontrolle zu bekommen.

Diabetes, chronische Nierenerkrankung und obstruktive Schlafapnoe sind die drei Erkrankungen, die am häufigsten mit nächtlicher Hypertonie in Verbindung gebracht werden. Manchmal ist der Grund für nächtliche Hypertonie eine Nierenerkrankung oder ein Blutdruckhormon produzierender Tumor der Nebennieren. Häufiger leidet ein Patient an einem obstruktiven Schlafapnoesyndrom und deswegen kommt es nachts wiederholt zu Blutdruckspitzen. Besonders übergewichtige und ältere Patienten leiden an dieser Verengung oder sogar an einem vorübergehenden Verschluss der Atemwege, dem oft ein Atemstillstand folgt. Alkoholgenuss und Schlafen in der Rückenlage verschlimmern den Zustand. Ohne Sauerstoffzufuhr durch die Atmung fällt die Sauerstoffsättigung im Blut, was zu einem schnellen Puls, starkem Blutdruckanstieg und danach Erwachen führt. Diese Blutdruckanstiege können sogar zu Hirnschlag und Herzinfarkt führen.

24-Stunden-Überwachung des Blutdrucks

Der nächtliche Blutdruck wird zunehmend von der Medizin als Hinweis auf das Risiko einer Herzerkrankung anerkannt. Bei medizinischen Untersuchungen   verläßt man sich in der Regel auf Blutdruckmessungen, die tagsüber durchgeführt werden, um Bluthochdruck zu diagnostizieren oder um herauszufinden, ob ein Blutdruckmedikament wirkt oder nicht. Diese Tagesmessungen können den nächtlichen Bluthochdruck natürlich nicht feststellen und auch große Blutdruckschwankungen übersehen. Dabei erlauben nächtliche Blutdruckwerte den Medizinern einen viel tieferen Einblick in den tatsächlichen Zustand des Herzens. Eine nicht-invasive 24-Stunden-Überwachung des Blutdrucks gilt mittlerweile als ein zuverlässiges Instrument zur Beurteilung der Tag-Nacht-Blutdruckveränderungen. So eine Langzeitblutdruckmessung (auch ABDM: Ambulantes Blutdruck-Monitoring genannt) kann dem Arzt helfen, Krankheiten frühzeitig zu erkennen und geeignete Maßnahmen zu ergreifen.

Quellen:

Kazuomi Kario et al, published 2 Nov 2020.
https://www.ahajournals.org/doi/10.1161/CIRCULATIONAHA.120.049730

Written by Das Aktiia-Team

Unsere Mission ist es, Menschen dabei zu helfen, frei von Bluthochdruck zu leben.

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